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Männercoaching-Programm
Wissenschaftliche Fundierung


Einleitung
Mechanismen, die in der Partnersuche und Partnerfindung eine Rolle spielen, stehen seit langer Zeit im Interesse der Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen, insbesondere, da eine glückliche Beziehung als ein wesentlicher Faktor für psychische und physische Gesundheit erkannt wurde (siehe auch den Artikel: Lebensglück und Partnerschaft).

Die Faktoren, welche das Verhalten in der Partnerschaft und der Partnerschaftssuche beeinflussen können, sind sehr vielfältig. Die Kultur in der die Sozialisation erfolgt (Upchurch et al., 2002), das Vorhandensein von Geschlechterrollenvorbildern in der Kindheit und der Adoleszenz, die sowohl der Identifikation mit dem eigenen Geschlecht, als auch dem Erlernen mit dem anderen Geschlecht umzugehen, dienen (Ballnik und Wassertheurer, 2006; Petri, 1999; Schleidt, 1997), können hier als Beispiele genannt werden. Aber auch psychologische Effekte, wie Schüchternheit und Angst vor sozialen Interaktionen (Sozialphobie), können zu Problemen in der Partnerschaftssuche führen (Leary und Kowalsky, 1995).

Ein weiterer Grund kann aber auch eine inadäquate Selbstwahrnehmung sein, bzw. eine Selbstwahrnehmung, die im Konflikt mit der Wahrnehmung durch andere steht. Da Menschen in Gruppen zusammenleben, unterliegen sie in vielen Bereichen gruppendynamischen Prozessen. Basis dieser Dynamik, ist das konsequente Zusammenspiel von Selbsteinschätzung und Fremdeinschätzung. Für das Gruppenleben, ist dieser Mechanismus essentiell. Ein schnelles Einschätzen neuer, fremder Personen, ein Bewusstsein über die Persönlichkeit und die Eigenschaften von Freunden, Arbeitskollegen etc. hilft im täglichen Umgang mit Menschen und ist ein zentraler Aspekt menschlichen Seins (vgl. Stangl, 2009). Hierbei ist jedoch wichtig zu bedenken, dass Selbsteinschätzung und Fremdeinschätzung miteinander korrelieren müssen, da ansonsten Probleme im zwischenmenschlichen Umgang entstehen können, die sich in weiterer Folge negativ manifestieren können.

Obwohl es diverse Faktoren gibt, die sich negativ auf eine erfolgreiche Partnerschaftssuche auswirken können, seien sie in der Sozialisation oder in Form von psychischen Unsicherheiten verankert, können diese durch aktives Training und durch eine aktive Auseinandersetzung modifiziert und durchbrochen werden. Das Männercoaching-Programm hat sich zum Ziel gesetzt, diese Form der Unterstützung zu bieten.

Männercoaching-Programm
Zentrale Aufgabe des Männercoaching-Programms ist zunächst nicht ein therapeutisches Eingreifen in erlernte oder anerzogenen Mechanismen, sondern viel eher das Bewusstmachen dieser. Wie erwähnt, befinden sich Menschen im Wechselspiel von Fremdeinschätzung und Selbsteinschätzung. Grundsätzlich können vier Wahrnehmungsbereiche, die miteinander in Abstimmung stehen sollten, unterschieden werden (Stangl, 2009): Bereich A, der all jene Aspekte umfasst, die sowohl Gruppenmitgliedern als auch einem selbst bewusst sind. In diesem Bereich ist freies Handeln möglich. Dieser Bereich ist frei von Ängsten und Vorbeahlten.

Bereich B kann als „Blinder Fleck“ bezeichnet werden. Er umfasst jenen Aspekt des Verhaltens, der durch einen selbst wenig wahrgenommen wird, anderen Gruppenmitgliedern aber deutlich bewusst ist. Unbewusste Verhaltensweisen, Vorlieben und Abneigungen fallen in diesen Bereich. Meist handelt es sich hierbei um nonverbal vermittelte Informationen (Gestik, Mimik, Stimme und Tonfall etc.). Durch Reaktionen von Gruppenmitgliedern ist Erfahrung und ein Kennenlernen solcher Aspekte möglich.

Bereich C im Gegensatz dazu, ist Gruppenmitgliedern weitgehend verschlossen. Es handelt sich hierbei um bewusst verborgene Aspekte des Denkens und Handelns. Die innersteten Wünsche, Ängste, Unsicherheiten etc. können in diesen Bereich fallen.
Bereich D stellt jenen Aspekt dar, der sowohl einem selbst, wie auch anderen verborgen ist. Durch verschiedene therapeutische Maßnahmen (beispielsweise Tiefenpsychologie) kann zu diesem Bereich vorgedrungen werden um so unbewusste, unerkannte Talente,
Begabungen aber auch Ängste etc. aufzudecken.

Diesem Schema nach, ergeben sich zwei „unbewusste“ Bereiche (B und D). Durch Feedback, also durch ein Vergleichen von Fremd- und Selbstwahrnehmung kann dieser unbewusste Bereich verkleinert werden. Mit der Verringerung des unbewussten Bereichs kommt es gleichzeitig zu einer Vergrößerung des „offenen Bereichs“. Dadurch kann in weiterer Folge eine Verbesserung hinsichtlich der Beziehungen zu anderen Menschen erfolgen. Das Fremdbild, die Wirkung auf andere steht so im Einklang mit dem Selbstbild, also den eigenen Absichten. Eine wichtige Aufgabe des Coachings ist also, derartiges Feedback zu geben und konstruktiv gemeinsam zu reflektieren (Stangl, 2009).

Studien belegen, dass durch professionelles Coaching, das eben jene aktive Auseinandersetzung mit zugrunde liegenden Problemen aufweist, zu einer Verbesserung der Lebenssituation führt (Bowles und Picano, 2006). Einen wesentlichen Bestandteil der Männercoachingarbeit stellen Methoden aus der Verhaltenstherapie dar. Hierbei wird davon ausgegangen, dass Verhaltensweisen und Schemata erlernt werden und sich mit der Zeit im täglichen Handeln manifestieren und quasi programmmäßig ablaufen (Stangl, 2008). Durch positive und negative Verstärkung wird im Therapieverlauf an einem Durchbrechen konditionierter Verhaltensketten gearbeitet. Nachdem erörtert wurde welche Verhaltensfunktionen sich negativ auf das tägliche Leben auswirken, wird an einem Aufbau neuer Verhaltensweisen gearbeitet und ein Selbstsicherheitsprogramm durchgeführt. Durch derartige verhaltenstherapeutische Maßnahmen werden gute Erfolge erzielt und führen zu einer der Verbesserung der Lebenssituation (Grawe, 1994).

Essentiell für das Erzielen nachhaltiger Erfolge ist die Kombination des Erörterns der Unsicherheitsquelle mit einem praktischen Ansatz, also eine Konfrontation mit der Angstsituation (Morschitzky, 1998), welcher auch im Männercoaching-Programm eine ausschlaggebende Rolle einnimmt. Praktische Konfrontation (Konfrontationstherapie) kombiniert mit Umstrukturierungsprozessen, also dem Abändern erlernter Verhaltensprogramme, hat sich als besonders effektiv erwiesen und zeigte gute Langzeiteffekte (Mattick et al., 1989).

Ein wichtiges „Werkzeug“ der Verhaltenstherapie stellt die systematische Desensibilisierung dar (Wolpe, 1977) (siehe auch den Artikel: Systematische Desensibilisierung). Angstzustände können sich mit der Zeit erweitern und manifestieren sich so weitgreifend. Es wird davon ausgegangen, dass eine so genannte Reizhierarchie beim Entstehen derartiger Unsicherheits- und Angstzustände besteht. Ein ursprüngliches Erlebnis, das als unangenehm empfunden wurde, kann zur Entwicklung von Unsicherheit und Angst führen und sich in weiterer Folge auf „verwandte“ Situationen ausweiten. Es kann also sein, dass ein Erlebnis, beispielsweise ein Versagens- oder Ablehnungsgefühl beim Versuch eine Frau anzusprechen, sich soweit negativ festsetzt, dass es in weiterer Folge zu einer generellen Unsicherheit und Angst im Umgang mit Frauen führen kann. Ziel verhaltenstherapeutischer Methodik ist es, durch ein schrittweises, praktisches Heranführen an die ursprüngliche „Angstsituation“ und das Herstellen positiver Assoziationen (Erfolgserlebnisse, Entspannung) zu einem Abbau respektive einer Entproblematisierung der Situation zu führen.

Dauer des Coachings

Der „gendertypische“ Umgang mit dem anderen Geschlecht wird schon früh in der Kindheit durch Rollenvorbilder gleichen Geschlechts erlernt (vgl. Fthenakis, 1988; Robin, 1979; Thomas, 1980). Daher ist ein Abändern von Verhaltensprogrammen, die sich schon vor langem automatisierten, ein zeitintensiver Prozess, der sich erst nach einiger Zeit manifestiert. Um tragfähige Veränderungen bewirken zu können, ist eine entsprechende Dauer des Programms essentiell. So können die Verhaltensmodi, welche über viele Jahre oder Jahrzehnte hinweg aufgebaut wurden, verändert werden.
Gleichzeitig kommt es auch zu langfristigen Veränderungen der Beziehungsmuster mit Frauen und es kann durch die prolongierte Dauer – im Vergleich zu anderen Programmen, die vielerorts angeboten werden – eine fundierte Vertrauensbasis zu den Coaches aufgebaut werden. Dieser letztgenannte Punkt ist essentiell, da sehr persönliche Befindlichkeiten und Thematiken behandelt werden, die „Verletzungspotential“ in sich bergen. Die Beziehung bedarf somit Offenheit und Ehrlichkeit, um tatsächlich Erfolge zu erzielen und letztlich zu einer langfristigen Verbesserung der Lebenssituation zu führen.

Online Betreuung im Männercoaching-Programm
Das Männercoaching-Programm bietet eine Betreuung über das Internet an. Eine Studie, die von der Universität Göttingen im Rahmen des Theratalk-Projekts durchgeführt wurde, zeigte, dass die so genannte e-Therapy bessere Erfolge erzielen kann, als vergleichbare Kurzzeittherapien (Stangl, 2008). In den USA ist die Therapie über das Internet längst etabliert und wird von vielen Psychologen angeboten. Durch die e-Therapy können mögliche Blockaden und Unsicherheiten, die im persönlichen Kontakt auftreten können, ausgeschaltet und umgangen werden. Der Austausch und die Kommunikation über das Internet haben sich also als therapeutisch ebenso wertvoll erwiesen, wie traditionelle Therapieangebote (Stangl, 2008).

Literaturverzeichnis:

Ballnik, Peter, Wassertheurer, Peter, (2006). 1. Österreichischer Männerbericht. Wien: BMSG.

Bowles, S.V., Picano, J.J. (2006). Dimensions of Coaching Related to Productivity and Quality of Life. Consulting Psychology Journal: Practice and Research. pp. 232 – 239.

Leary, M.R., Kowalski, R.M. (1995). Social anxiety. New York: Guilford Press.
Fthenakis, W.E. (1988). Väter. Band 1: Zur Psychologie der Vater – Kind – Beziehung. München: Urban & Schwarzenberg.

Grawe, K., Donati, R., Bernauer, F. (1994). Psychotherapie im Wandel- Von der Konfession zur Profession. Göttingen: Hogrefe.

Mattick, R.P., Peters, L., Clarke, J.C. (1989). Exposure and Cognitive Restructuring in Social Phobia: A Controlled Study. Behavior Therapy, 20: 3 - 23.

Morschitzky, Hans (1998). Angststörungen. Berlin: Springer.

Petri, Horst (1999). Das Drama der Vaterentbehrung. Chaos der Gefühle – Kräfte der Heilung. Freiburg: Herder.

Robin, M.W. (1979). Life without father: a review of the literature. In: International Journal of Group Tensions. Vol. 1- 4, p. 169 – 194.

Schleidt, Margret (1997). Die humanethologische Perspektive. Die menschliche Frühentwicklung aus ethologischer Sicht. In: Keller, H. (Hersg.). Handbuch der Kleinkindforschung. 2. überarbeitete Auflage. Verlag Hans Huber, Bern.

Stangl, W. (2008). Psychologische Beratung im Internet – die „e-Therapy“. Institut für Pädagogik und Psychologie. Johannes Kepler Universität Linz. http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/PSYCHOTHERAPIE/eTherapie.shtml.

Thomas, A. (1980). Untersuchungen zum Problem der vaterlosen Erziehung in ihrem Einfluß auf die psycho – soziale Entwicklung des Kindes. In: Psychologische Beiträge, 22, S. 27 – 48.

Upchurch, D.M., Aneshensel, C.S., Mudgal, J. and McNeely, C.S. (2002). Sociocultural contexts of time to first sex among Hispanic adolescents. Journal of Marriage and the Family. 63: 1158-1169.

Wolpe, Joseph (1977). Praxis der Verhaltenstherapie. 2. Nachdruck. Huber. Bern.

Weiterführende Literatur:

Beck, A.T. & Emery, G. (1981). Kognitive Therapie bei Angst und Phobien. Tübingen: DGVT.

Borkovec, T.D. &Costello, E. (1993). Efficacy of applied relaxation and cognitiv-behavioral therapy in the treatment of generalized anxiety disorder. Journal of Consulting & Clinical Psychology 1993; 61; 611-619.

Bräutigam, W., Senf, W. &Kordy, H. (1990): Wirkfaktoren psychoanalytischer Therapien aus der Sicht des Heidelberger Katamnese- Projektes. In: Lang, H. (Hg.): Wirkfaktoren der Psychotherapie. Berlin: Springer.

Butler, G., Fennel, M., Robson, P. & Gelder, M. (1991). Comparison of behavior therapy and cognitive behavior therapy in the treatment of generalized anxiety diesorder. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 59; 167-175.

Hand, I. (1993). Verhaltenstherapie bei Patienten mit Angsterkrankungen. In Möller, H.-J. (Hg.), Therapie psychiatrischer Erkrankungen. Stuttgart: Enke.

Hautzinger, Martin (Hg.) (1998). Kognitive Verhaltenstherapie bei psychischen Störungen. München: Psychologie Verlangs Union; Quintessenz.

Hoefert, H.-W., Rosemeier, H.P. & Göpfert, W. (Hg.) (1993). Angst Panik Depression. München: Psychologie Verlags Union; Quintessenz.

Krohe, Heinz W. (1996). Angst und Angstbewältigung. Stuttgart: Kohlhammer.

Morschitzky, H. (2008). Was ist eine soziale Angststörung?. Arbeitskreis Verhaltenstherapie. http://www.verhaltenstherapie.at/Ratgeber/SozialeAngstBeschreibung.htm